Klinik für Urologie

Prostatitis und chronisches Beckenschmerzsyndrom

Entzündliche Erkrankungen der Prostata und chronisches Beckenschmerzsyndrom

Unter Prostatitis ist im engeren Sinne die Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostata) zu verstehen. In der Medizin hat sich ein erweiterter Begriff etabliert, gemäß dem „Prostatitis“ ein Syndrom aus verschiedenartigen Beschwerden im Urogenitalsystem sowie im Bereich des Beckenbodens und des Afters ist. Die Symptome lassen sich vielfach nicht kausal durch eine Entzündung der Prostata erklären und differentialdiagnostisch abgrenzen. 

Symptome

Klinisch relevante Prostatitisverläufe sind durch Schmerzen gekennzeichnet. Deren Umfang und Intensität kann sich von Fall zu Fall unterscheiden. Bei chronischem Verlauf bestehen die Symptome dauernd oder mit zwischenzeitlicher Unterbrechung. Häufig berichtet werden:

  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen (Algurie)
  • Häufiger Harndrang (Pollakisurie)
  • Harnabflussstörung mit abgeschwächtem Harnstrahl
  • Schmerzen in der Penis-, Hoden-, Damm-, Anal-, Leisten-, Scham- sowie in der Lendengegend
  • Schmerzen während und insbesondere nach der Ejakulation

Diagnose

Zur Basisdiagnostik gehören Anamneseerhebung, digital-rektale Abtastung (Palpation) der Prostata, Entzündungs- und Erregerlokalisation mittels 2-Gläser-Probe (Mittelstrahlurin und Urin nach Prostatamassage), Sonographie, Uroflowmetrie mit Restharnmessung zur Bestimmung funktioneller oder anatomischer Harnabflussstörungen und eine orientierend neurologische Untersuchung. 

Zur Symptomevaluierung und zur Beurteilung des Behandlungserfolges werden bei chronischen Verlaufsformen unterstützend standardisierte Fragenbögen wie der chronische-Prostata-Symptom-Index (CPSI) der National Institutes of Health (NIH) herangezogen. 

Klassifikation

Unter Schirmherrschaft der National Institutes of Health (NIH) wurde eine Klassifizierung der Prostatitisformen erarbeitet, die in der Prostatitisforschung und zunehmend auch in der urologischen Praxis angewendet wird. 

Hauptsächlich werden hier die akute und chronische Entzündung mit oder ohne Erregernachweis unterschieden.

  • akute bakterielle Prostatitis (NIH I)
  • chronische bakterielle Prostatitis (NIH II)
  • chronische abakterielle Prostatitis und chronisches Beckenschmerzsyndrom
    (NIH III A und NIH III B)
  • asymptomatische chronische Prostatitis (NIH IV)

Behandlung

Die Behandlung der verschiedenen Entzündungsformen ist klassifikationsabhängig.

NIH I
Bei der akuten Prostatitis handelt es sich um eine akute Infektion der Prostata, die von Fieber, Schüttelfrost und Harnverhalt begleitet sein kann. Hier erfolgt die Behandlung mit einem Antibiotikum (Fluorchinolon oder Amoxicillin und Clavulansäure). Bei Harnverhalt oder Harnretention kann zusätzlich eine Harnableitung notwendig sein.

NIH II
Die chronische bakterielle Prostatitis wird ebenfalls auf Harnwegsinfekterreger wie Eschericha coli, Enterococcus faecalis, Proteus mirabilis Klebsiellen oder Pseudomonas aeroginosa zurückgeführt. Anaerobier, Neisseria gonorrhoeae, Trichomonas vaginalis, Viren und Pilzspezies gelten nur in Einzelfällen als ätiologisch relevant. Möglicherweise stehen zyklisch wiederkehrende Beschwerden mit der Rückhaltung bzw. Rückströmung von Erregern in den Harnwegen in Zusammenhang. Ursächlich könnten hierbei Prostatavergrößerungen, neurogene Blasenfunktionsstörungen, Prostatasteine und Strikturen sein. Die Symptome chronischer bakterieller Prostatitis ähneln denen der akuten Form, sind jedoch meist schwächer ausgeprägt. Therapieoption sind Antibiotikagaben über vier bis sechs Wochen. Dabei werden Wirkstoffe, die sich effektiv in der Prostata ausbreiten, wie z. B. Fluorchinolone, bevorzugt.

NIH III A/B
Die abakterielle Prostatitis (chronisches Schmerzsyndrom des Beckens) ist die häufigste Form der Prostatitis. Symptomatische Unterschiede zur bakteriellen Form bestehen nicht, außer dass sich keine relevanten Bakterien nachweisen lassen. Die Erklärungsmodelle sind vielfältig und reichen von einer Autoimmunstörung über eine neurogene Entzündung bis zu einem myofaszialen Schmerzsyndrom. Eine langfristig hochwirksame Therapie ist leider nicht nachgewiesen. Für folgende Mittel konnte in Studien begrenzte Wirksamkeit gezeigt werden:

  • Antibiotika (Fluorchinolone) 
  • alpha-Blocker
  • nicht-steroidale Antiphlogistika
  • zentrale Analgetika 
  • Anticholinergika
  • 5-alpha-Reduktasehemmer
  • Muskelrelaxantien
  • Baclofen                                                                                                                                                              

Zusammenfassung:
Prostataentzündungen sind vergleichsweise selten, führen jedoch nicht selten wegen ihrer langanhaltenden Beschwerden zu einem schweren Leidensdruck.

Ansprechpartner

Sekretariat
Betina Lokodi
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