Klinik für Urologie

Blasentumor

Harnblasenkrebs wird meist in frühen Stadien entdeckt und hat dann gute Heilungschancen. Bei einer operativen Tumorentfernung durch eine transurethrale Blasentumorresektion (TUR-Blase) wird zunächst die Diagnose bestätigt und die Eindringtiefe des Tumors bestimmt. In den meisten Fällen ist die ein- oder mehrmalige Resektion bereits eine ausreichende Therapie. Innerhalb von 5 Jahren tritt jedoch in mehr als der Hälfte der Fälle erneut ein Harnblasenkarzinom auf. Bei lokal fortgeschrittenem Tumor (Muskelinvasion) ist eine Entfernung der Harnblase meist unumgänglich.

Entstehung

Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Harnblasenkrebs ist das Tabakrauchen, wobei auch das Passivrauchen gefährlich ist. Harnblasenkrebs gilt nach dem Bronchialkrebs als die zweithäufigste Krebserkrankung bei Rauchern. Daneben sind aber auch Beschäftigte in der Farbstoffindustrie, in der chemischen und petrochemischen Industrie und in Teer verarbeitenden Betrieben gefährdet. Über 50 verschiedene chemische Substanzen werden für die Entstehung von Harnblasenkrebs verantwortlich gemacht. Bei Berufstätigen, die zum Beispiel einen chronischen Kontakt mit entsprechenden Chemikalien nachweisen können und an einem Harnblasenkrebs erkranken, wird dieser als Berufserkrankung anerkannt. Zwischen dem Kontakt mit krebserregenden Stoffen und dem Auftreten des Harnblasenkrebses kann eine sehr lange Zeitspanne liegen. So können bis zu 40 Jahre vergehen, ehe erste Krankheitsanzeichen auftreten. Als weitere Risikofaktoren sind übermäßiger Alkoholgenuss, besonders in Form von „scharfen" Alkoholika (Schnaps), Inhaltsstoffe in Haarfärbemitteln oder der häufige Gebrauch von Phenacetin (Schmerzmittel) im Gespräch. In tropischen Ländern kann das Harnblasenkarzinom als Spätfolge einer Bilharziose auftreten. Touristen, die tropische Länder bereisen, können sich durchaus mit diesem Erreger infizieren.

Diagnose

Die Untersuchungen können in der Regel ambulant beim Urologen durchgeführt werden.

Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)

Mit Hilfe dieser bildgebenden Verfahren kann eine Beteiligung von Prostata, Gebärmutter, Darm oder anderen Körperorganen ausgeschlossen oder nachgewiesen werden.

Urinuntersuchung

Der Patient wird in der Praxis des Urologen aufgefordert, eine Urinprobe abzugeben; rote Blutkörperchen im Urin können ein erster Hinweis auf einen Blasentumor sein.

Sonografie (Ultraschall-Untersuchung)

Eine wichtige und schonende Untersuchungsmöglichkeit bietet die Sonografie der Harnblase. Hier kann bereits häufig der erste Befund auf das Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms gestellt werden.

Harnblasenspiegelung (Zystoskopie)

Unter lokaler Betäubung (Gleitmittel mit betäubender Wirkung) wird ein dünnes starres oder flexibles Instrument (Zystoskop) durch die Harnröhre in die Blase vorgeschoben. Der Urologe kann durch die Optik das Innere der Harnblase und die Mündungen der beiden Harnleiter einsehen und eine erste Beurteilung vornehmen.

Tumormarkerbestimmung

NMP22 ist ein einfacher Urintest, der bereits nach 30 Minuten aussagekräftig ist und Hinweise auf einen möglichen Harnblasenkrebs geben kann. Allerdings ersetzt dieser Test bei Tumorverdacht nicht die Blasenspiegelung, sondern ist nur eine Ergänzung der Diagnostik.

Behandlung

Behandlung des invasiven Harnblasenkrebses

Bei 20 Prozent der Harnblasenkrebserkrankungen liegt ein bereits fortgeschrittenes Tumorwachstum vor, das nicht mehr mittels transurethraler Resektion entfernt werden kann, da die Muskelschicht der Harnblasenwand bereits betroffen ist. Dieses tumoröse Geschehen bezeichnet man als muskelinfiltrierenden Harnblasenkrebs. Die Entfernung der Harnblase ist oft unumgänglich, wobei aber gleichzeitig ein Blasenersatz aus Darmanteilen (z. B. Neoblase) geschaffen wird. Diese Behandlungsmethode ist zurzeit diejenige mit der höchsten absoluten Heilungschance und der höchsten Überlebensrate für die Betroffenen.

Zystektomie mit Harnblasenersatz (Ileumneoblase bzw. Ileumconduit)
Ein muskelinvasiver Blasentumor erfordert häufig die komplette Entfernung der Harnblase sowie der regionalen Lymphknoten. Beim Mann werden zudem die Prostata sowie die Samenblasen mitentfernt. Anschließend schafft man zur Harnableitung aus einem ausgeschalteten Darmanteil einen Harnableitungsersatz. Hierfür werden an unserer Klinik die Anlage einer orthotopen, kontinenten Ileumneoblase sowie die Anlage eines Ileumconduits angeboten.

Ileum Neoblase: Hierbei wir aus einem ca. 80 cm langen Stück Dünndarm eine neue Harnblase geschaffen (orthotoper Blasenersatz) und an Harnröhre und Harnleiter angeschlossen. Die Harnblasenentleerung erfolgt anschließend über die Aktivierung der Bauchpresse. Dieses Verfahren kann bei Tumorbefall der Harnröhre bzw. weit fortgeschrittenem Tumorbefall nicht angeboten werden.

Ileumconduit: Bei diesem weit verbreiteten Verfahren wird der Urin über ein ca. 15 bis 20 cm langes Stück Dünndarm über die Bauchdecke in einen Beutel ausgeleitet. Vorteile dieses Verfahrens sind die kürzere Operationszeit, niedrigere Komplikationsrate und die einfache Handhabung. Damit ist das Verfahren auch in höherem Alter und bei weit fortgeschrittenen Blasentumoren anwendbar.

Behandlung des oberflächlichen Harnblasenkrebses
Oberflächlicher Harnblasenkrebs

Der Ort der Entstehung eines Harnblasenkrebses ist fast immer die Schleimhaut (Urothel), die die Harnblase innen auskleidet. Die Behandlung richtet sich daher nach der Stadieneinteilung des Tumors. Die meisten Harnblasenkrebserkrankungen (etwa 80 Prozent) werden in frühen Stadien entdeckt. In diesen Fällen ist der Tumor auf die inneren Schichten der Schleimhaut beschränkt und hat den Blasenmuskel noch nicht befallen. Die Heilungsaussichten sind hier sehr günstig, da diese Tumoren relativ selten Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Oberflächlicher Harnblasenkrebs hat jedoch ein erhöhtes Rückfallrisiko.

Transurethrale Resektion der Harnblase TUR-B
Die Entfernung der bösartigen Veränderung der Blasenschleimhaut wird unter Narkose durchgeführt und erfolgt mit einer Elektroschlinge (Transurethrale Elektroresektion) durch die Harnröhre. Bei schwierig zu erkennenden flachen Blasentumoren (Carcinoma in situ) steht ein spezielles Verfahren, die photodynamische Diagnostik (PDD), zur Verfügung, mit dem genau zwischen gesunder und erkrankter Blasenschleimhaut differenziert werden kann.

Nachsorge

Entscheidend für die Nachsorge sind die Ausbreitung des Tumors und die Art der Behandlung. Der Urologe wird einen Behandlungsplan aufstellen, der genau auf seinen Patienten zugeschnitten ist. Wichtig dabei sind die regelmäßige Kontrolle der Harnableitung sowie der Ausschluss von entzündlichen Vorgängen im Harnableitungssystem und anderer Krankheitsprobleme. Auch muss mittels Röntgenuntersuchungen eine spätere Bildung von Metastasen ausgeschlossen werden. Nur so kann rechtzeitig die beginnende Schädigung anderer Organe, wie z. B. der Nieren, oder ein Wiederauftreten der Erkrankung erkannt werden. Im Anschluss an die Krankenhausbehandlung kann es ratsam sein, in einer speziell auf Blasenkrebs zugeschnittenen Nachsorgeklinik eine Rehabilitationsbehandlung durchzuführen.

Ansprechpartner

Sekretariat
Betina Lokodi
Daniela Gellert
Tel. +49 (0)89 1797-2603
Fax +49 (0)89 1797-2623
E-Mail: uro@barmherzige-muenchen.de


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