Geschichte der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Während die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an sich bereits eine lange Tradition hat, existieren eigene HNO-Kliniken erst seit etwas mehr als 100 Jahren. Die erste Universitätsohrenklinik wurde von Adam Politzer und Josef Gruber 1873 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus gegründet. Die erste richtige Hals-, Nasen- und Ohrenklinik wurde 1889 unter Otto Körner in Rostock eröffnet.
Früh erreichten auch die operativen Techniken eine ausgefeilte Präzision. Wurden die kindlichen Rachenmandeln, die im Volksmund Polypen genannt werden, im 17. Jahrhundert noch mit den Fingernägeln abgezwickt, erfand H. Beckmann aus Berlin bereits 1895 die noch heute üblichen Ringmesser zur schonenden Abtragung ohne langandauernden stationären Aufenthalt.
Da sich die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde erst in diesem Jahrhundert wie viele der kleineren Fächer als eigenes Spezialgebiet von der Chirurgie abspaltete, ist es nicht verwunderlich, dass einige namhafte Chirurgen auch in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde federführend waren.
So war es Pierre Joseph Desault, der als erster 1789 die Eröffnung der Kiefernhöhle vom Mundvorhof her erwähnte, einem bis in unsere Zeit gebräuchlichen Verfahren. Theodor Billroth führte 1873 die erste komplette und 1878 die erste halbseitige Kehlkopfentfernung wegen Kehlkopfkrebs durch.
Obwohl die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde ein sogenanntes kleines Fach darstellt, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass aus ihr zwei Nobelpreisträger hervorgingen: Robert Bárány (Wien) für seine Arbeiten über die Physiologie des Gleichgewichtorgans und Georg von Békésy (Budapest) für seine experimentellen Untersuchungen über die Wanderwellentheorie des Hörens.
